Google baut die Links in seinen Suchergebnissen um. Statt direkt auf die Zielseite zu verweisen, führen Klicks jetzt über eine Google-eigene Zwischenadresse. Für Besucher ändert sich wenig, für die Auswertung der eigenen Zugriffsdaten kann sich einiges verschieben. Was dahintersteckt und worauf Sie achten sollten.
Wie Google die Verlinkung seiner Suchergebnisse umbaut
Wer in den letzten Wochen seine Analytics-Daten geprüft hat, ist vielleicht über ungewöhnliche Referrer-Einträge gestolpert. Der Grund: Google ersetzt die direkten Links in den Suchergebnissen durch sogenannte Google Goto-Links. Statt dass ein Klick direkt zur Zielseite führt, läuft er über eine Weiterleitungsadresse auf einer Google-Domain. Erst von dort wird zur eigentlichen Website weitergeleitet.
Für Besucherinnen und Besucher ändert sich am sichtbaren Ablauf wenig: Sie landen weiterhin dort, wo sie hinwollten. Aber in der technischen Kette dazwischen verschiebt sich etwas, das für alle relevant ist, die ihre Zugriffszahlen auswerten. Dieser Artikel erklärt, was technisch passiert, warum Google diesen Schritt geht und was sich für Ihre eigene Auswertung konkret ändern kann.
Was Google Goto-Links technisch verändern
Bisher zeigte der Link im HTML der Suchergebnisseite direkt auf die URL der Zielwebsite. Der Browser folgte diesem Link, und Analytics-Tools konnten aus dem Referrer ablesen, dass der Klick von Google kam.
Die Links zeigen jetzt auf eine Goto-URL unter einer Google-Domain. Erst von dieser Adresse wird zur eigentlichen Ziel-URL weitergeleitet. Zwischen Klick und Zielseite liegt ein zusätzlicher Schritt.
Für Besucherinnen und Besucher ist der Unterschied kaum spürbar, die Weiterleitung passiert in Sekundenbruchteilen. Wer allerdings mit der Maus über einen Treffer fährt, sieht in der Statusleiste des Browsers nicht mehr die vertraute Domain der Zielseite, sondern eine Google-Adresse.
Weil der erste Sprung auf eine Google-Domain geht, kann sich ändern, welche Referrer-Information beim Zielserver ankommt. Analytics-Tools werten genau diese Daten aus, um Besuchsquellen zu bestimmen.
Warum Google auf Goto-Links umstellt
Laut einem Bericht von SEO Südwest, der sich auf eine LinkedIn-Aussage von Sistrix-Gründer Johannes Beus bezieht, richten sich die Maßnahmen in erster Linie gegen Wettbewerber wie ChatGPT, die Google-Suchergebnisse für eigene Zwecke nutzen wollen. Die Goto-Links erschweren es Dritten, automatisiert auszulesen, welche URLs Google für eine Suchanfrage anzeigt. Jede URL muss erst einzeln aufgelöst werden, was den Aufwand vervielfacht.
Google beschränkt sich nicht auf die Goto-Links allein. Wie SEO Südwest berichtet, testet Google auch einen „Continue“-Button vor der Anzeige von Suchergebnissen, und die Klage gegen den Anbieter SerpAPI zeigt, dass Google den Schutz seiner Suchergebnisse inzwischen auch juristisch durchsetzt.
Johannes Beus ordnet die Goto-Links laut dem Bericht allerdings als nachrangig ein gegenüber einer anderen Veränderung: der Verdrängung organischer Treffer durch KI-generierte Antworten direkt in den Suchergebnissen. Die Goto-Links verändern, wie Klicks technisch ablaufen. Die KI-Antworten verändern dagegen, ob ein Klick überhaupt noch stattfindet.
Für Website-Betreiber ist die Motivlage also vor allem ein Wettbewerbsthema zwischen Google und anderen KI-Anbietern. Die Auswirkungen auf die eigene Website sind eine Nebenwirkung, keine gezielte Maßnahme gegen Websitebetreiber.
Was das für Ihre Analytics-Daten bedeutet
Der Klick aus den Suchergebnissen läuft jetzt über eine Weiterleitungsadresse auf einer Google-Domain. Das verändert, welche Referrer-Information beim Zielserver ankommt. Analytics-Tools wie Google Analytics oder Matomo werten genau diese Daten aus, um zu erkennen, ob ein Besuch aus der organischen Google-Suche stammt. Wenn der Verweis über eine Goto-URL kommt, kann die automatische Zuordnung ins Leere greifen oder den Besuch einer falschen Quelle zuschreiben.
In der Praxis heißt das: Organischer Traffic aus Google taucht unter Umständen nicht mehr vollständig unter dem gewohnten Kanal auf. Er könnte als Verweis-Traffic (referral) erscheinen oder einer unbekannten Quelle zugeordnet werden. Die Zahlen sehen anders aus, obwohl sich am tatsächlichen Besucherverhalten nichts geändert hat.
Wichtig: Die Besucherinnen und Besucher kommen weiterhin. Was sich verschiebt, ist die Zuordnung in der Auswertung, nicht die reale Besucherzahl. Wer plötzlich einen Rückgang bei organischem Traffic sieht, sollte zuerst prüfen, ob die Referrer-Zuordnung noch korrekt greift, bevor er an ein Ranking-Problem denkt.
Sistrix-Einschätzung: Messung wird teurer, bleibt aber möglich
Sistrix-Gründer Johannes Beus hat sich laut dem Bericht von SEO Südwest bereits vor der breiten Berichterstattung geäußert. Sein Unternehmen sei sich der Goto-Links seit mehreren Wochen bewusst gewesen. Sistrix löse die neuen Goto-URLs bereits zu den echten Ziel-Adressen auf und skaliere diesen Prozess.
Der Aufwand ist konkret benennbar: Jede einzelne Goto-URL erfordert einen zusätzlichen Request. Beus fasst es laut SEO Südwest so zusammen: Die Messung werde komplexer und teurer, aber sie werde nicht verhindert. Für die kommenden Tage rechne Sistrix mit etwas langsameren Aktualisierungszyklen. An der Vollständigkeit der erhobenen Daten ändere sich laut Beus nichts.
Hinweis zum Kontext: Sistrix ist selbst Anbieter eines SEO-Tools, das von der Messung der Google-Suchergebnisse lebt. Die Aussage ist also auch eine im eigenen Geschäftsinteresse, nicht falsch, aber eine Anbietereinschätzung, kein unabhängiger Test.
Für Website-Betreiber ergibt sich daraus: Ranking-Daten können in der Übergangsphase etwas verzögert eintreffen. Ob das eigene Tool die Umstellung bereits verarbeitet, lässt sich am einfachsten über dessen Changelogs oder Statusmeldungen prüfen.
Was Website-Betreiber jetzt prüfen sollten
Die Goto-Links betreffen Googles eigene Infrastruktur, nicht Ihre Website. Was sich ändert, ist die technische Abwicklung des Klicks. Trotzdem lohnt sich ein Prüfblick auf die eigenen Daten.
- Analytics-Daten auf Auffälligkeiten prüfen. Schauen Sie nach, ob organischer Traffic aus Google in den letzten Wochen anders ausgewiesen wird. Taucht ein ungewöhnlich hoher Anteil unter
referraloder einer unbekannten Quelle auf, während die Besucherzahlen stabil geblieben sind? Dann liegt die Ursache vermutlich in der veränderten Referrer-Zuordnung. - Nicht vorschnell auf Rankingverlust schließen. Ein plötzlicher Rückgang bei organischem Traffic in der Auswertung kann daran liegen, dass Ihr Tool den Verweis über die Goto-URL nicht mehr korrekt als Google-Suche erkennt. Prüfen Sie zuerst die Zuordnung, bevor Sie an Inhalten oder Technik etwas ändern.
- Beim SEO-Tool-Anbieter nachfragen. Sistrix hat die Goto-URLs nach eigener Aussage bereits aufgelöst. Ob andere Tools das ebenfalls tun, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich. Prüfen Sie die Changelogs oder Statusmeldungen Ihres Anbieters.
- Keine Umbauten an der eigenen Website nötig. An Ihrer Website, Ihren URLs oder Ihren Inhalten müssen Sie nichts ändern.
Kurz: Hinschauen lohnt sich, Aktionismus nicht.
Fazit
Die Goto-Links sind eine Infrastrukturänderung auf Googles Seite, nicht auf Ihrer. An Ihrer Website hat sich nichts verändert, und es gibt nichts, was Sie anpassen müssten. Was sich verändert hat, ist ein Zwischenschritt in der Klickkette, der Ihre Auswertung beeinflussen kann. Wer das weiß, liest seine Zugriffsberichte mit dem richtigen Blick.
Grund zur Panik liefert die Umstellung nicht. Grund zur Aufmerksamkeit schon. Wenn organischer Traffic plötzlich anders zugeordnet wird, kann das zu Fehlschlüssen führen: unnötige Umbauten, falsche Prioritäten im Marketing, Zweifel an Rankings, die sich gar nicht verändert haben. Der Schutz dagegen ist, die eigenen Daten regelmäßig zu prüfen und Auffälligkeiten nicht sofort als Problem der eigenen Website zu deuten.
Wer weiter denkt, stößt auf die Beobachtung, die Johannes Beus laut SEO Südwest für gewichtiger hält: die Verdrängung organischer Treffer durch KI-generierte Antworten. Die Goto-Links verändern, wie ein Klick abläuft. Für die eigene Sichtbarkeit ist die zunehmende Beantwortung von Suchanfragen direkt in den Ergebnissen die größere Verschiebung. Wer seine Zugriffsdaten aufmerksam liest und Verschiebungen richtig einordnet, bleibt handlungsfähig.
