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15 Jahre Elbnetz

15 Jahre Elbnetz: Was sich im Web verändert hat

Am 10. August 2011 sind wir mit dem Elbnetz in See gestochen. Aktuell war damals WordPress 3.2, ein Cookie-Banner hatte noch niemand gesehen, und „mobil“ war eine Ausnahme, kein Ausgangspunkt. Fünfzehn Jahre und über 500 Projekte später hat sich fast jede technische Grundlage einmal komplett gedreht – der Editor, das Recht, die Messgrößen, sogar die Frage, wer eine Website eigentlich liest. Dieser Beitrag zieht Bilanz: was sich seit 2011 wirklich verändert hat, was nur laut war, und welche drei Grundsätze alle Umbrüche überstanden haben.

1. 2011: Eine Website war ein Theme mit Text darin

Wer 2011 eine Website brauchte, kaufte ein Theme, füllte es mit Inhalten und war fertig. Der Editor war ein Textfeld mit Fettungsknopf. Layout entstand über HTML im Beitrag oder über Shortcodes, die kein Mensch nachvollziehen konnte, sobald das Theme gewechselt wurde.

WordPress war damals noch überwiegend als Blogsystem bekannt. Dass es sich für die komplette Website eines Unternehmens eignet, mussten wir in den ersten Jahren regelmäßig erklären – oft gegen den Widerstand von IT-Abteilungen, die ein „richtiges“ CMS wollten.

Rückblickend war das die einfachste Zeit. Eine Website hatte ein Publikum: Menschen mit einem Desktop-Browser. Alles, was danach kam, hat diese Annahme Stück für Stück zerlegt.

2. 2012 bis 2015: Der Bildschirm hört auf, eine feste Größe zu sein

Ende 2012 wurde mit Twenty Twelve erstmals ein durchgehend responsives Standard-Theme ausgeliefert. Im April 2015 begann Google, Mobilfreundlichkeit direkt in die Bewertung einzubeziehen. Zwischen diesen beiden Daten liegt der erste echte Bruch unserer Branche: Ein Layout war nicht mehr ein Bild, das man abnickt, sondern ein System, das sich verhalten muss.

Für Kunden war das eine unbequeme Umstellung. Die Frage „Wie sieht die Startseite aus?“ hatte plötzlich keine einzelne Antwort mehr. Wir haben in dieser Zeit gelernt, Entwürfe früher im Browser zu zeigen statt als Bild – eine Gewohnheit, die wir bis heute beibehalten.

3. 2016: Verschlüsselung wird zur Selbstverständlichkeit

Bis 2015 war ein SSL-Zertifikat eine Kostenposition, über die diskutiert wurde. Mit Let’s Encrypt wurde Verschlüsselung kostenlos und automatisierbar; im April 2016 verließ das Projekt die Testphase. Innerhalb weniger Jahre kippte der Standard: Eine Website ohne HTTPS ist heute keine Sparvariante mehr, sondern ein Warnhinweis im Browser.

Das ist das Muster, das sich seither wiederholt. Was als optionale Verbesserung beginnt, wird zur Grundausstattung – und irgendwann zum Mangel, wenn es fehlt. Wer diesen Punkt früh erkennt, zahlt weniger als der, der wartet, bis es weh tut.

4. 2018: Zwei Umbrüche in einem Jahr

2018 war das anstrengendste Jahr in fünfzehn Jahren Agenturarbeit. Im Mai wurde die DSGVO wirksam, im Dezember erschien WordPress 5.0 mit dem Block-Editor.

Die DSGVO hat Technik zur Chefsache gemacht. Plötzlich war relevant, welche Schriftart von welchem Server geladen wird, welches Analyse-Werkzeug welche Daten wohin schickt und wer im Ernstfall haftet. Wir haben in dieser Zeit sehr viele Websites entrümpelt – und dabei gemerkt, wie viele eingebundene Dienste niemand mehr aktiv genutzt hat. Wie das heute aussieht, haben wir in unserer WordPress-Datenschutz-Checkliste zusammengefasst.

Der Block-Editor war der größere kulturelle Bruch – und die Entscheidung, die wir bis heute anders getroffen haben als die meisten. Wir setzen ihn in Kundenprojekten nicht ein. Nicht, weil das Konzept falsch wäre: Blöcke sind der richtige Gedanke, und der Editor ist über die Jahre deutlich besser geworden. Aber die Menschen, die eine Website später pflegen, sind Marketingverantwortliche und Assistenzen, keine Web-Profis. Für sie ist entscheidend, wie schnell sie eine Änderung ohne Angst hinbekommen – und da ist unsere Erfahrung aus über 500 Projekten eindeutig.

Deshalb arbeiten wir mit einer festen, geprüften Kombination aus Theme und Page Builder, in der die Gestaltungsmöglichkeiten bewusst begrenzt sind. Eine Redaktion, die nicht alles kann, macht auch nichts kaputt. Das ist keine Ablehnung von Gutenberg, sondern eine Entscheidung für die Menschen, die täglich damit arbeiten müssen. Ausführlich begründet haben wir das in Page Builder oder Block-Editor.

5. 2021: Geschwindigkeit wird messbar – und damit verhandelbar

Mit den Core Web Vitals hat Google 2021 aus einem Bauchgefühl eine Zahl gemacht. Das war hilfreich und schädlich zugleich.

Hilfreich, weil Performance endlich besprechbar wurde. Schädlich, weil sofort eine Jagd auf den Wert 100 begann, die mit der tatsächlichen Erfahrung der Besucher oft wenig zu tun hatte. Wir haben Websites gesehen, die im Test hervorragend abschnitten und sich im Alltag zäh anfühlten – und umgekehrt.

Ein Messwert ist ein Hinweis, kein Ziel. Optimieren Sie das System, nicht den Score.

Unsere Position dazu steht ausführlich in WordPress-Performance statt PageSpeed 100.

6. 2022 bis 2025: Der Umbau geht weiter, das Tempo bleibt hoch

WordPress 5.9 brachte 2022 das Full Site Editing: Auch Kopf- und Fußbereich, Templates und Typografie wandern in den Block-Editor. Für uns hat das die Entscheidung von 2018 eher bestätigt als infrage gestellt – aber es zeigt, wie tief der Umbau geht. Wer 2011 ein Theme gekauft hat, arbeitet heute mit einem völlig anderen Werkzeugkasten.

Parallel wurde der rechtliche Rahmen enger. Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele Anbieter im Endkundengeschäft. Barrierefreiheit ist damit aus der Rubrik „nice to have“ verschwunden. Was konkret zu tun ist, steht in unserer BFSG-Checkliste für Websites.

Auffällig ist: Die Anforderungen kommen inzwischen nicht mehr nur von Google, sondern vom Gesetzgeber. Das verändert die Gesprächslage. Über einen Rankingfaktor kann man diskutieren, über eine gesetzliche Frist nicht.

7. 2026: Die Website hat ein zweites Publikum bekommen

Der aktuelle Umbruch ist der grundlegendste seit 2011. Ihre Inhalte werden nicht mehr nur von Menschen gelesen, sondern von Systemen, die daraus Antworten formulieren – in ChatGPT, in Gemini, in der Google-Suche selbst. Der Klick auf Ihre Website ist nicht mehr garantiert, die Nennung Ihres Unternehmens dafür umso wertvoller.

Praktisch heißt das: Inhalte müssen eindeutig, zitierfähig und maschinenlesbar strukturiert sein. Nicht als Trick, sondern weil unklare Inhalte schlicht nicht zitiert werden. Wie das geht, beschreiben wir in Wie man Inhalte schreibt, die KI zitieren kann und in Schema Markup in Zeiten von GEO.

Und WordPress? Ist im Mai 2026 in Version 7.0 erschienen und betreibt weiterhin einen erheblichen Teil des Webs. Die regelmäßig ausgerufene Ablösung ist bisher jedes Mal ausgeblieben – wir haben dazu einen eigenen Beitrag geschrieben.

Zeitleiste mit acht Meilensteinen von 2011 bis 2026: Gründung von Elbnetz, Responsive Design, HTTPS für alle, DSGVO und Block-Editor, Core Web Vitals, Full Site Editing, BFSG und KI-Suche mit GEO.
Acht Meilensteine, die die Arbeit an WordPress-Websites seit 2011 grundlegend verändert haben.

8. Was wir uns in fünfzehn Jahren abgewöhnt haben

Ein Jubiläum ohne Selbstkritik wäre eine Werbeanzeige. Drei Dinge machen wir heute anders als früher:

  • Jeder Neuerung hinterherlaufen. Früher haben wir eine neue WordPress-Funktion zuerst daraufhin geprüft, ob sie interessant ist. Heute prüfen wir zuerst, ob sie unseren Kunden die Arbeit erleichtert. Das sind erstaunlich oft zwei verschiedene Antworten – und der Grund, warum wir manche Entwicklung bewusst nicht mitgehen.
  • Jedes Problem mit einem Plugin lösen. Zwanzig Erweiterungen sind zwanzig Update-Pfade, zwanzig Sicherheitsrisiken und zwanzig Abhängigkeiten. Weniger ist wartbarer.
  • Websites als abgeschlossene Projekte verstehen. Eine Website, die nach dem Launch nicht gepflegt wird, verliert innerhalb von zwei Jahren an Substanz. Das ist heute der wichtigste Punkt in jedem Erstgespräch – und der Grund für unseren Beitrag WordPress-Wartung: Warum sie keine Option ist.

9. Was sich in fünfzehn Jahren nicht verändert hat

Bei aller Bewegung: Drei Dinge sind seit 2011 exakt gleich geblieben.

Erstens: Klare Inhalte schlagen jede Technik. Kein Editor, kein Framework und kein KI-Werkzeug rettet eine Website, die nicht sagen kann, was das Unternehmen tut und für wen.

Zweitens: Der Engpass sitzt selten in der Technik. Projekte verzögern sich fast nie wegen einer schwierigen Funktion. Sie verzögern sich, weil Texte, Bilder und Entscheidungen fehlen.

Drittens: Wartbarkeit ist die wichtigste Designentscheidung. Die eleganteste Sonderlösung ist wertlos, wenn sie in drei Jahren niemand mehr anfassen kann. Deshalb bauen wir lieber mit etablierten Werkzeugen als mit den interessantesten.

10. Fazit: Fünfzehn Jahre, ein Grundsatz

Von WordPress 3.2 bis 7.0, von Shortcodes zu Blöcken, von Desktop zu Mobil zu KI-Antworten: Fast alles, womit wir 2011 gearbeitet haben, ist heute ersetzt. Geblieben ist die Arbeitsweise – Entscheidungen so treffen, dass sie in fünf Jahren noch tragen, und ehrlich sagen, wenn etwas den Aufwand nicht wert ist.

Dass wir das fünfzehn Jahre lang tun konnten, liegt an den Kunden, die uns mitgenommen haben – viele davon seit weit über einem Jahrzehnt. Danke dafür. Der German Design Award 2024 und 2026 sowie der German Web Award 2024 sind schön; die Projekte, die seit zehn Jahren laufen und einfach funktionieren, sind uns wichtiger.

Sie haben keine Zeit, sich mit solchen Details aufzuhalten?
Wir kümmern uns um die Technik, während Sie Ihr Business skalieren.

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